Bärchen und die Milchbubis


Bärchen und die Milchbubis

An der Schnittstelle zwischen NDW und 

Pop-Punk


Zwischen 1979 und 1983 gehörten Bärchen und die Milchbubis zu den wichtigsten deutschen Alternative-Bands. 1981 erschien ihr Debüt „Dann macht es Bumm“, dem 2021 eine Werkschau und 2023 das zweite Album „Die Rückkehr des Bumm!“ folgten. Grund genug für ein ausführliches Gespräch mit dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied, Sängerin/Gitarristin Annette Simons anlässlich des neuen Albums „Lach doch mal, kürzlich auf tapete records veröffentlicht.



Bärchen & die Milchbubis wurden 1979 als Quartett in Hannover gegründet. Welche Künstler/Bands haben euch damals inspiriert und war von Anfang an klar, dass die Band auf Deutsch singt?

Es gab schon in den 70ern viele Bands die deutsch gesungen haben, z.B. Udo Lindenberg, Nina Hagen, Ton Steine Scherben. Da die Wurzeln unserer Hannover-Bubbble in Anti Atom- und anderen Protest-Songs lagen, war es ganz natürlich auf Deutsch zu singen, damit die Leute uns verstehen. So gut war unser Englisch auch meistens nicht.



Die EP „Jung kaputt spart Altersheime“ (1980) und das Debütalbum „Dann macht es Bumm“ (1981) erschienen auf dem Hannoveraner Label No Fun Records von Hans-A-Plast & Hollow Skai. Hatte eure Auflösung 1983 auch mit dem Labelende 1983 zu tun oder wo lagen die Gründe, denn für eine Band die sich stilistisch zwischen NDW und Pop-Punk bewegte, wart ihr verhältnismäßig erfolgreich zur damaligen Zeit.

Als wir anfingen waren wir noch sehr jung und haben ohne groß nachzudenken Stücke rausgehauen. Wir planten eine zweite LP aufzunehmen und fingen an zu überlegen, was wir eigentlich wollen. Inhaltlich und musikalisch. Darauf fanden wir keine Antwort. Gleichzeitig überschwemmte die Neue Deutsche Welle mit ihrer Gaga-Welt den Markt. Es war gar kein Platz mehr für uns. Diese Krise erwischte alle Bands des No Fun Labels und so löste sich alles gleichzeitig auf.



Hatten zumindest Du (damals Gesang, heute Gesang, Gitarre) und Kai Nungesser (Bass, Gesang) nach dem Split überlegt in anderer Konstellation weiterzumachen?

Nein. Jeder für sich wollte sein Leben allein auf die Kette kriegen und gucken, was das Leben noch so zu bieten hat.



2020 kam es in Trio-Besetzung mit Markus Joseph (Schlagzeug, Gesang, ex- Rotzkotz) zu einer bis heute andauernden Neugründung der Band. Hatten die einzelnen Bandmitglieder in der Zeit zwischen 1984 und 2020 beruflich mit Musik/Kultur zu tun und wieso kam es gerade nach Covid-19 zu einer Neugründung? Wer gab den Startschuss dazu?

Markus und Kai haben konstant weiter Musik gemacht, aber nicht beruflich. Markus trommelte u. A. bei den Barmbek Gorillas und bei Hamburg Ramönes. Kai spielte bei der P Funk Band Tom Oz & The Wet. Außerdem veröffentlichte er Anfang der 90er einen Soulsong bei Yo Mama und machte später Indie-Folk mit den Gringostar. Ich fing erst vor ein paar Jahren wieder an zu singen, in einem Metal-Chor. Der Startschuss zur Wiederbelebung der Band erfolgte auf einem Konzert von Der Moderne Man 2019. Als wir sahen, wieviel Spaß es macht, wurde Andreas Kühne, unser ehemaliger Schlagzeuger zum Initiator es auch wieder zu versuchen. Durch Covid konnten wir dann nicht zusammen proben. In der Zeit haben Kai und ich die alten Stücke so vereinfacht, dass ich sie auf der Gitarre spielen kann, denn unser ehemaliger Gitarrist Rudolf Gimm lebt in Innsbruck und mochte auch nicht mehr dabei sein. Andreas konnte aus unterschiedlichen Gründen weiterhin nicht mit uns proben, so dass wir Markus baten bei uns einzusteigen.



Eine Neugründung, die sich seit 2020 als zukunftsfähig erwiesen hat?

Ja, es läuft zusammen. Kai und ich kennen uns schon so lange, wir streiten gelegentlich wie ein altes Ehepaar, aber Markus ist dann der Ausgleichende. Wir Drei sind eine gute Kombination, obwohl wir live meistens einen Gitarristen mit dabeihaben.



2024 sprachst Du verhalten von einer Tour zum zweiten Album. Es scheint euch aber wieder Spaß zu machen vor Publikum aufzutreten, denn bis in den April 2027 hinein sind schon Shows gebucht.

Ja, es macht Spaß, auch weil Punk als Musikgenre wieder Publikum findet und relevant ist.



Für das neue Album „Lach doch mal“ habt ihr insgesamt 12 Stücke eingespielt. Gab es wieder eine Vorproduktion und wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem bekannten Produzenten Tobias Levin (u.a. Tocotronic) in Hamburg entwickelt?

Eine Vorproduktion haben wir gemacht, um den Rahmen für das Studio abzustecken. Tobias wurde uns vom Label empfohlen und er hat sich als Glücksgriff erwiesen. Ein Profi, der sich zum Beispiel alleine für die Auswahl der passenden Gesangsmikros einen halben Tag Zeit genommen hat und unseren Sound wirklich versteht.



Wer schreibt die Texte und um was geht es inhaltlich? Gibt es eine Art ´Roten Faden´, der die Stücke zwischen „Superschurken“ und „Techno-Party“ zusammenhält?

Ein Song ist von Kai, ein Titel ist ein Cover und zehn Stücke sind von mir. Inhaltlich greife ich auf Themen zurück, die mich im Alltag beschäftigen.



Gibt es den ein oder anderen Lieblingstitel, auf den sich alle drei Bandmitglieder einigen können?

Ja, das ist „Ich glaub an dich“. Den lieben wir alle.



2023 waren als Gäste Annette Benjamin/Hans-A-Plast und Doktor Renz/ex-Fettes Brot mit dabei. Gab es diese Mal auch wieder Unterstützung?

Darauf haben wir nicht verzichtet. Stefanie Schrank bei „Ich glaub an dich“, Bela B. auf „Superschurken“ und zwei Musikerinnen von Die Feigen Flittchen auf „Lach doch mal“. Schön, dass alle bei den Anfragen gleich zugesagt haben, ein toller Zusammenhalt in der Szene.



Stichwort Videodreh und Social Media, seid ihr da sehr aktiv?

Bisher haben wir kein Video gedreht, da fehlt uns bisher noch eine durchschlagende Idee. Aber für Social Media drehen wir kurze, lustige Snippets über unser internes Bandleben.



Wer ist für das Comic-lastige Cover-Artwork der letzten drei Platten zuständig? Habt ihr auch mal an einen Bandcomic gedacht?

In der Tat ich, da ich Grafikerin bin. Ich tobe mich sonst auch beim Merchandise aus, habe da gerade Lineol-Einkaufsbeutel gestaltet. Und mit dem Comic hast Du mich auf eine Idee gebracht, der Winter ist ja lang.



Es gibt auch die private Annette Simons. Womit entspannst Du abseits von der Musik?

Ich gehe gerne Schwimmen und bastele gerne.



Text: Frank Keil Bild: Martina Denker


www.bärchenunddiemilchbubis.de