Zwischen
Liebe und Zorn
Das Nottinghamer Duo Sleaford Mods wurde 2007 von unserem Gesprächspartner Jason Williamson (Rap) und Simon Parfrement (Produktion, DJ) gegründet. Dieser verliess das Duo einvernehmlich (er übernahm dann Fotografie, Videos, PR) und Jason fand 2012 kongenialen Ersatz in seinem bis heute aktiven Bandkollegen Andrew Fearn (Produktion, DJ). Zwischen den stilistischen Eckpfeilern Post Punk, Minimal Electro und Hip Hop haben sich die Sleaford Mods über Europa hinaus einen Namen gemacht. Mitte Januar erschien mit „The Demise Of Planet X“ (Rough Trade/Beggars Group) ihr aktuelles Album, mit dem die Band im März auch für zwei Auftritte nach Berlin und Hamburg kommen wird.
Welche KünstlerInnen und Bands haben Dich als Jugendlichen inspiriert selber Musik zu machen?
Unter anderen Paul Weller, die Mod-Kultur, The Stone Roses, Public Enemy, Marvin Gaye, Guns N´ Roses, The Meteors und der Wu-Tang Clan.
Eine überraschende Mischung und deutlich entfernt vom Sound der Sleaford Mods, oder?Es geht mehr um die Idee und die Energie dieser Acts, aber bedingt auch um stilistische Einflüsse wie den Gesang von Paul Weller, das Kontrabass-Spiel von Nigel Lewis (The Meteors) oder den Rap-Stil des Wu-Tang Clans.
Dein Part bei den Sleaford Mods ist der Rap. Spielst Du auch ein Instrument?Ja, ich lerne jetzt seit über 20 Jahren Gitarre zu spielen, aber wirklich gut bin ich nicht.
Geht Dein Verhältnis zu Andrew über die reine Zusammenarbeit bei den Sleaford Mods hinaus?Auf jeden Fall, wir sind jetzt 14 Jahre befreundet und verdienen durch die Musik unseren Lebensunterhalt.
Zum Markenzeichen der Band wurden minimale Beats, ein hämmernder Bass und Deine im Dialekt vorgetragenen Texte. Heute blickt ihr auf eine umfangreiche Diskografie zurück, mit welchen Meilensteinen?Was die Alben angeht würde ich sagen „Divide and Exit“ (2014), dann „Spare Ribs“ (2021) und das aktuelle Album „The Demise Of Planet X“. „Spare Ribs“ erreichte ja sogar Platz 10 der deutschen Charts.
Eure Bandgeschichte ist auch von namhaften Kooperationen gekennzeichnet, darunter Stücke mit The Prodigy und Leftfield. Hättest Du Dir das zu Beginn vorzustellen gewagt?Überhaupt nicht, niemals. Der Track „Ibiza“ landete 2015 auf dem Prodigy-Album „The Day Is My Enemy” und im Gleichen Jahr der Track „Head and Shoulders“ auf dem Leftfield-Album „Alternative Light Source“. Einfach großartig. Allerdings war es nur ich, der diese Songs eingespielt hat.
2017 kam es zu einer besonderen Zusammenarbeit. Die deutsche Regisseurin Christine Frantz drehte mit „Bunch of Kunst“ einen Dokumentarfilm über die Sleaford Mods. Wie kam es dazu?Christine hatte von Anfang an verstanden, worum es inhaltlich und musikalisch bei den Sleaford Mods ging. Sie hat uns über eine lange Zeit unserer Karriere bis hin zur Vertragsunterzeichnung bei Rough Trade 2016 begleitet. Der Film gewann zu Recht den Q Award des britischen Musikmagazins Q in der Kategorie „Musikfilm“. Wir haben ihn uns übrigens im Huxleys Neue Welt kurz vor einer Show angeschaut, das war atemberaubend.
Kommen wir auf die 13 neuen Titel zwischen dem Opener „The Good Life“ und „The Unwrap“ zu sprechen. Es scheint so, dass sich Inhalte und Stilistik nochmals erweitert haben?Ja, Stillstand ist Rückschritt. Dementsprechend haben wir uns entscheiden auch in London und in Bristol aufzunehmen und so standen uns neue Geräte und Instrumente mit erstklassigem Personal zur Verfügung, die das Ergebnis maßgeblich in der Breite beeinflusst haben. So konnten sich Andrew und ich mehr auf die Produktion konzentrieren.
Du scheinst bei den Texten immer von Dir selber und Deiner Umwelt inspiriert, geht es dabei um reine Unterhaltung, eine Art Infotainment oder um gesellschaftliche/politische Auseinandersetzungen?Meine rauhe Rap-Stimme bleibt, aber inhaltlich bin ich emotionaler geworden. Ja, es geht schon um mich und die Auseinandersetzung mit der Welt um mich herum. Und da habe ich natürlich auch einige Lieblinge wie „The Good Life“, „No Touch“, „The Demise Of Planet X“, aber eigentlich müsste ich wirklich alle 13 Titel nennen.
Das Album erhält seinen speziellen Reiz durch die Gäste und die Zusammenarbeit mit ihnen. Wer ist mit dabei?Schauspielerin Gwendoline Christie (Severance/Game Of Thrones) und Big Special auf „The Good Life”, Aldous Harding auf “Elitest G.O.A.T.”, Sue Tompkins von Life Without Buildings auf „No Touch“ und Liam Bailey, ein befreundeter Singer/Songwriter aus Nottingham auf „Flood the Zone“. Und der Rapper Snowy hat sich auf einigen Zeilen von „The Kill List“ verewigt. Sie alle haben uns wirklich geholfen das Album noch besser zu machen.
Den Februar und März seid ihr in Großbritannien und einigen europäischen Ländern unterwegs. Dann folgt im Mai ein weiteres Highlight, oder?Ja, am 10. April startet unsere Australien-Tournee, gefolgt von Autritten in Neuseeland und den USA. Und hoffentlich klappt es in diesem Jahr auch mit den geplanten Auftritten in Mexico.
Da wird die Freizeit knapp. Wobei erholst Du Dich dann am besten?Da gehört die Priorität meiner Ehefrau, den Kindern und der Familie. Und der persönlichen Selbst- und Weiterentwicklung.
Text: Frank Keil
Bilder: Nick Waplington
sleafordmods.com