Markus „Brix“ Brixius (Gesang, Gitarre) hat mit Matthias „Nuss“ Mühlum (Bass) und Timm Richter (Schlagzeug) eine neue Band gegründet: The Velvet Spiral Club. Brix und Nuss kennen sich seit Jahren und sind beide auch mit The Apeman aktiv. Timm kennt man von verschiedenen lokalen Bands, etwa Bronson Norris oder früher Gough. Ihre neue Band hat bereits in Eigenregie erste Videos und Singles veröffentlicht. Es war also Zeit, Brix mal auf den Zahn zu fühlen.
Markus, wie und warum kam es zur Gründung der Band?
So wirklich kann sich niemand mehr daran erinnern, glaube ich. Man gründet auch keine Band, sondern stellt irgendwann fest, dass sie schon im Raum steht und nicht mehr gehen will. Nach Jahrzehnten Garage, Mods, Krach und Gitarren war klar: Leiser werden, ist keine Option. Also sind wir tiefer gegangen. Nicht nur einfach retro. Eher so retro, dass es wieder modern wird. The Velvet Spiral Club entstand aus dem Gefühl, dass zwischen Paisleyhemd und Mitternacht noch ein Raum frei war. Den haben wir besetzt.
Du und Nuss kennt Euch ja seit Jahren bei The Apemen. War es leicht, jemanden fürs Schlagzeug zu finden? Und wie kamt Ihr auf Timm?
Nuss und ich kennen uns sogar seit der Grundschule. Wir haben uns vom selben Rektor regelmäßig einen Satz heißer Ohren abgeholt — oder wurden ‚pädagogisch intensiv betreut‘. (lacht) Wir hatten auch unsere erste Band zusammen - noch vor den Apemen. Jetzt müssen wir es halt auch bis zum Schluss durchziehen.
Wir suchten auch keinen Schlagzeuger, sondern einen Puls. Timm hat diesen Puls. Er spielt nicht nur Takt, er schafft Räume. Und er kann mit unseren absurden Ideen umgehen, ohne die Augen zu verdrehen. Und er ist auch überwiegend sehr nett. Das ist auf Tour wichtig! (grinst)
Was hat der Bandname zu bedeuten? Soll er den psychedelischen Touch in Eurer Musik betonen?
‚Velvet‘ ist weich. ‚Spiral‘ ist Bewegung. ‚Club‘ ist Gemeinschaft. Es geht um einen Ort - real oder imaginär. Eine Spirale ist kein Kreis. Sie führt nach innen. Oder nach außen. Wie man will. Nein, das ist kein psychedelischer Marketingtrick. Das ist Architektur. Aber ja. An deiner These ist auch was dran.
Wie würdet Ihr Euren Stil umschreiben? Was sind Eure Einflüsse? Wer hat Euch geprägt?
„Zwischen 60s-Energie, Post-Punk-Kante und psychedelischer Weite; von The Beatles bis The Stooges, von The Who bis frühe Simple Minds. Und ja, auch Kate Bush, klassische Musik, elektronische Sounds. Fließt das irgendwie ein? Klar. Aber wie? Keine Ahnung. Entscheidend ist jedoch nicht das Zitieren, sondern die Verbindung dieser Elemente zu einer eigenen Handschrift. Ab einem gewissen Alter sammelt man Einflüsse wie andere Briefmarken. Entscheidend ist nur: Was bleibt übrig, wenn man alles Überflüssige weglässt? Bei Schubladen sind wir bei Neo-Psychedelia gelandet. Klingt gut. Ermöglicht musikalische Freiheit. Passt auf ein Plakat.
Ihr veröffentlicht meines Wissens nach bisher alles in Eigenregie, was ja auf der Hand liegt bei Euch alten Hasen. Hättet Ihr gedacht, dass das so viel Arbeit ist, die im Hintergrund anfällt und die niemand sieht?
Du bist ja selbst ein alter Hase und weißt: Sehr viel Arbeit, sehr viel Gedöns. Man sieht die Bühne. Nicht die Stunden davor. Wir sind für die ersten Songs bei dem englischen Label Detour Records unter Vertrag. Das ist schon mal gut. Mit unseren ersten beiden Videos haben wir auf YouTube einen richtigen kleinen Achtungserfolg erzielt. Aber das Fundament baut man selbst. Und ein Club ohne Fundament ist nur eine Idee. Du hast allerdings völlig Recht: Eigentlich ist es zu viel Arbeit. Manager-Bewerbungen nehmen wir ab sofort entgegen. Ich will eigentlich nur Musik machen.
Apropos alte Hasen. Warum noch einmal von vorne anfangen und sich mühsam eine Gefolgschaft in den sozialen Medien und bei Konzerten aufbauen. In der heutigen Zeit ist das wahnsinnig schwierig und arbeits- und zeitintensiv.
Ja. Wir landen immer bei den Hasen. Weil Stillstand schlimmer ist als Risiko. Wenn man Musik macht, nur weil es einfach ist, sollte man es lassen. Wir machen sie, weil wir es müssen. Wir suchen keine Gefolgschaft. Das klingt nach Mittelalter. Wir suchen auch keine Follower. Das klingt nach Social Media. Wir suchen Mitreisende. Und ganz ehrlich: Ich habe noch so viele Songs in der Schublade. Die würde ich ungern mit ins Grab nehmen. Also müssen sie raus. Ob sie jedem gefallen? Keine Ahnung. Aber sie müssen existieren.
Sehr gute Einstellung… Gibt es konkrete Pläne, was Ihr mit The Velvet Spiral Club erreichen wollt – einen Auftritt auf einem bestimmten Festival oder in einem bestimmten Club? Oder wollt Ihr einfach nur zusammen Spaß haben und schauen, was auf Euch zukommt?
Ja: Musik veröffentlichen, live spielen, Räume öffnen. Große Bühnen sind schön, kleine auch. Hauptsache, der Moment stimmt. Und die Leute haben Bock, mit uns das Leben zu feiern. Wir spielen nicht für die Musikerpolizei oder diejenigen, die sagen: ‚Was die können, kann ja jeder‘... Bitte schön. The Stage is yours.
Ich habe schon viele Clubs und Festivals gesehen. Jedes Event hat seinen Reiz. Und wir sollten die Livekultur auch hochhalten. Ich muss aber nicht mehr auf verpissten Matratzen oder dreckigen Teppichen schlafen. Aber was von der Welt sehen und Party machen, anstatt sie zu besuchen, ist nach wie vor reizvoll. Wenn Menschen für 90 Minuten vergessen, wer sie tagsüber sind, dann haben wir erreicht, was wir wollten. Alles andere ist Bonus. Und Bonus nehmen wir natürlich auch.
Text:
Kai Florian Becker | Bild:
Photodesign MB Professional